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Johanniskraut (Hypericum perforatum) – Überblick, Anwendung, Sicherheit
Pflanzliches Antidepressivum mit belegter Wirksamkeit bei leichten bis mittelschweren Depressionen – zusätzlich entzündungshemmend und wundheilungsfördernd bei äußerlicher Anwendung. Achtung: zahlreiche Wechselwirkungen.
Wirkung
- Antidepressiv (moduliert Serotonin-, Noradrenalin- und Dopaminspiegel)
- Leicht angstlösend & stimmungsaufhellend
- Äußerlich: entzündungshemmend, wundheilungsfördernd
Evidenz-Status
- Cochrane-Review: wirksam wie Standard-Antidepressiva bei leichter/mittlerer Depression, bessere Verträglichkeit
- Kommission E/ESCOP: Depression, psychosomatische Störungen
- Äußerlich: unterstützend bei kleinen Wunden, Muskelschmerzen
Wann hilfreich?
- Leichte bis mittelschwere depressive Episoden
- Psychovegetative Störungen, Unruhezustände
- Kleine Hautverletzungen, Prellungen (äußerlich)
Kurz-Dosierung
- Trockenextrakt: 900 mg/Tag (geteilt oder 1×) standardisiert auf 0,2–0,3 % Hypericin
- Johanniskrautöl (äußerlich): 2–3×/Tag dünn auftragen
- Therapiedauer: mindestens 2–4 Wochen bis Wirkungseintritt
Steckbrief
- Botanik
- Hypericum perforatum L. (Hypericaceae)
- Verwendet
- Blühende oberirdische Teile (Herba Hyperici)
- Leitstoffe
- Hypericin, Hyperforin, Flavonoide
- Merkmale
- Gelbe Blüten mit schwarzen Punktierungen; beim Zerreiben roter Farbstoff
Historischer Kontext
Seit der Antike als „Sonnenscheinpflanze“ für seelische und körperliche Beschwerden genutzt; im Mittelalter Bestandteil zahlreicher Klostermedizin-Rezepte.
Anwendungsgebiete
Leichte bis mittelschwere Depression
Stimmungsaufhellend und antriebssteigernd – Wirkeintritt nach 2–4 Wochen regelmäßiger Einnahme.
Mehr Details
- Wirksamkeit durch zahlreiche RCTs belegt.
- Wirkmechanismus: Hemmung der Wiederaufnahme von Neurotransmittern und Modulation von Rezeptoren.
Psychovegetative Beschwerden
Hilfreich bei innerer Unruhe, Angstzuständen, nervöser Erschöpfung.
Äußerliche Anwendung
Johanniskrautöl zur Linderung von Muskelschmerzen, kleineren Verletzungen und Sonnenbrand (nur nach Abklingen der akuten Rötung).
Zubereitung & Dosierung
Trockenextrakt
Standardisiert auf Hypericin/Hyperforin; 900 mg/Tag in 1–3 Dosen.
Johanniskrautöl (Rotöl)
Aus frischen Blüten in Ölmazerat; äußerlich 2–3×/Tag auftragen.
Tee
4–6 g Droge/Tag, auf mehrere Portionen verteilt; bei Depression unterlegen gegenüber Extrakten.
Wichtig
Wechselwirkungen beachten (CYP3A4/2C9-Induktion, P-Glykoprotein) – reduziert Wirkung vieler Medikamente.
Sicherheit & Hinweise
Vorsicht
- Kann Wirksamkeit zahlreicher Arzneimittel abschwächen (z. B. orale Kontrazeptiva, Immunsuppressiva, Gerinnungshemmer).
- Phototoxizität möglich – intensive Sonneneinstrahlung meiden.
- Schwangerschaft/Stillzeit: Anwendung nur nach ärztlicher Rücksprache.
Hygiene
- Nur standardisierte Fertigpräparate aus geprüften Quellen nutzen.
- Johanniskrautöl kühl und lichtgeschützt lagern.
Forschung & aktuelle Themen
- Depression: Meta-Analysen zeigen vergleichbare Wirksamkeit zu SSRI bei besserer Verträglichkeit in leichter/mittlerer Ausprägung.
- Pharmakologie: Hyperforin wirkt als starker PXR-Agonist → Induktion von Arzneistoff-metabolisierenden Enzymen.
- Äußerlich: Antiphlogistische Wirkung auf Haut/Muskulatur durch Hypericin und Flavonoide.
Quellen (geprüft am 11.08.2025)
- Cochrane Review: Linde K. et al., 2008: St John’s wort for depression. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- Kommission E Monographie: Hyperici herba. heilpflanzen-welt.de
- EMA/HMPC: Community herbal monograph on Hypericum perforatum. ema.europa.eu
- Butterweck V., Schmidt M., 2007: St. John’s wort: role of active compounds. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
Hinweis: Dieser Inhalt ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf Depression mit Suizidgedanken, bei schwerer Symptomatik oder bei gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente unbedingt ärztliche Rücksprache halten.
